Linux Café am 07.09.2015

Letzte Woche Montag war es wieder soweit: das Linux-Café fand wie gewohnt am ersten Montag des Monats im Café Feldstern statt.
Diesen Monat kamen endlich mal wieder ein paar mehr Besucher vorbei: wir waren geschlagene 9 Personen vor Ort!

Für eine Person, die das erste Mal dabei war, sollte der Abend ursprünglich mit einer abgeschlossenen Debian-Installation enden. Doch leider verhinderten fehlkonfigurierte Netzwerktreiber (?) einen endgültigen Erfolg.

Nichtsdestotrotz hatte auch dieser Abend neben der einen oder anderen Camp-Erinnerung noch sehr interessante und ausgiebige Diskussionen zu bieten.

An einem ursprünglich scherzhaft gemeinten Kommentar („Wann hast du das letzte Mal nachgeschaut, ob du wirklich ein Mensch bist?“) entbrannte eine hochgradig vielseitige Debatte über Cyborgs („cybernetic organisms“) hinsichtlich mehrerer Aspekte:

  • Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen einem „normalen Menschen“ und einem „Cyborg“? Fängt dies bereits bei technischen Hilfsmitteln (wie zum Beispiel Prothesen oder Herzschrittmachern) an, oder bedarf es „richtigen“ Implantaten, die (so wie bereits in Forschung) körperliche oder geistige Kapazitäten erhöhen sollen?
  • Können, müssen, dürfen oder sollen (oder eben auch nicht) „Menschen“ und „Cyborgs“ bezüglich ihrer vermeintlichen Vorteile in Bezug auf körperliche oder geistige Aktivitäten miteinander verglichen werden (vgl. auch dieses Thema)? Wie könnte sich dies in Zukunft gesellschaftlich auswirken (Szenario: Personen mit Implantaten erzielten bessere Schulabschlüsse und hätten bessere Job-Aussichten; wer es sich leisten könnte, würde dem eigenen Kind folglich Implantate ermöglichen)?
  • Inwiefern unterscheidet sich diese Diskussion von der aktuellen Realität, in der sich manche Schüler, Studenten oder Arbeitnehmer mithilfe von verschiedenen Stoffen (bspw. in Form von Koffein, Ritalin oder Amphetaminen) im Rahmen einer wie auch immer gearteten „Vergleichbarkeit“ als möglichst „effizient“ darzustellen versuchen?
  • Welche Rolle spielen unsere Smartphones (z.B. im Hinblick von telefonischer Erreichbarkeit oder der Möglichkeit, von unterwegs noch einmal die Mails checken zu können) eine Rolle als technisch/digitale Erweiterung unseres Körpers in diesem Konflikt? Gerade auch der Zusammenhang zwischen dem „Quantified Self“ und dem „Socialized Self“ könnte in einer weiteren Diskussion weitere Einsichten zutage bringen.

Ein weiteres, grundlegendes Thema, über das an diesem Abend sehr viel gesprochen wurde, war die Frage, was das Linux-Café eigentlich ist und was es ausmacht.
Ist es ein Stammtisch? Ist es eine Linux-(Selbst-)Hilfegruppe? Ist es ein Treffen von Gleichgesinnten?
Die für mich persönlich treffendste Antwort lautete: „Das Linux-Café ist genau das, wozu es die Anwesenden machen“.
Dies klingt vielleicht im ersten Augenblick recht profan, offenbart bei längerer Überlegung aber einen grundlegenden Aspekt unserer Treffen: Unsere Gespräche leben von der fortwährenden Diskussion unterschiedlichster Themen anhand von unterschiedlichsten Meinungen-
Sei es, weil eine anwesende Person eine Frage gestellt hat.
Sei es, weil durch einen Lightning Talk ein Denkimpuls erzeugt wurde.
Sei es, weil einer Meinung widersprochen wurde.
Das Linux-Café ist (und bleibt hoffentlich) ein Ort des Austauschs.

Und je mehr Leute zusammenkommen, desto mehr Meinungen und folglich desto mehr Austausch wird es geben.

In diesem Sinne freue ich mich bereits darauf, möglichst viele Besucher am Montag, den 05.10.2015 um 20:00 Uhr im Feldstern zum nächsten Linux-Café zu treffen!


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